AI Workflows · Werksmonitor

Designinfrastrukturen die ein Team skalierbar machen

Der Werksmonitor ist ein internes B2B-Tool für Asphaltmischwerke. Disponenten, Wääger und Mischmeister treffen damit täglich operative Entscheidungen — bei laufender Produktion, LKW-Stau, kurzfristigen Planungsänderungen. Fehler haben direkte operative Konsequenzen.

Design InfrastructureAI ToolingDev HandoffDecision Documentation

Das Problem

Der Werksmonitor bedient fünf verschiedene Nutzerrollen mit den unterschiedlichsten Bedürfnissen. Dazu wird das Design System von mehreren Produkten geteilt (Werksmonitor, Baumonitor, Kundenportal, 360 Grad Kunde). Jede Entscheidung muss über Rollen, Werke und Organisationsstrukturen hinweg konsistent funktionieren.

Diese Struktur forcierte Wissens-Probleme. Entscheidungen wurden anfangs getroffen, aber nicht festgehalten, sodass sie ein paar Wochen oder Monate später nochmal hinterfragt wurden und erneute Recherche und Evaluierung zur Folge hatten. In der Zusammenarbeit mit den Entwicklern ging Kontext verloren. Als verantwortliche Designerin für den Werksmonitor und das Design System habe ich mir dieses Problem geschnappt. Denn wenn ich das jetzt nicht aufbaue, macht das erstmal niemand.

Mein AI-gestützter Prozess

01 · Problemdefinition

Design-Problem strukturieren

Problem, Nutzerrollen, Constraints und Ziel im strukturierten Gespräch mit Claude klären.

Claude als Sparringspartner
ProblemdefinitionNutzerkontext
02 · Konzept

Optionen generieren & evaluieren

Mehrere Lösungsoptionen entwickeln, gegen ADRs und Nutzerrollen prüfen, Entscheidung treffen.

Claude + /evaluate-solution
Konzept-OptionenEntscheidungsbegründung
03 · Design

Figma + iterativer Review

Screens und States in Figma bauen. Claude reviewt als visuelles Widget — States, Edge Cases, Zonenlogik.

Claude in Chrome / SVG-Widgets
Figma-ScreensAlle States dokumentiert
04 · Übergabe

DEV-Brief + ADR generieren

Claude erstellt strukturierten DEV-Brief aus Design-Input. Entscheidungen werden als ADR dokumentiert.

Claude als Dokumentations-Tool
DEV-Brief (Markdown)ADR-Dokument

Entscheidungen bleiben erhalten

Jede Designentscheidung ist begründet und nachlesbar — für Entwickler, neue Teammitglieder und die nächste Version.

ADR-System · 18 Einträge

Handoff ohne Informationsverlust

DEV-Briefs enthalten Kontext, alle States und Edge Cases. Entwickler können asynchron arbeiten.

DEV-Brief-Format · Figma

AI beschleunigt, nicht ersetzt

Claude erzwingt strukturiertes Denken — Kontext, Konsequenzen, Alternativen. Bessere Entscheidungen, schneller.

Cursor + Figma MCP · Prototyping

Was ich gebaut habe

ADR-System für Designentscheidungen

Ich habe ein Architecture Decision Record System eingeführt — ein Format das aus der Softwareentwicklung kommt und Entscheidungen mit Kontext, Begründung und Konsequenzen dokumentiert. Übertragen auf Design.

18 ADRs decken heute Themen wie Filter-Interaktionslogik, Modal-Patterns, Skeleton vs. Spinner, Error Handling, Mobile Drawer-Verhalten und komplexe Gruppenlogik bei verknüpften Lieferabrufen. Und werden stetig erweitert.

“Wenn ein Entwickler fragt warum der „Fertig“-Button nicht „Übernehmen“ heißt — gibt es eine Antwort die nicht von mir kommen muss.”

Nr.EntscheidungScopeDatum
Shared · 001Klarheit vor EffizienzShared2025
Shared · 002Aktionen nur mit BerechtigungShared2025
Shared · 003Neue Komponenten: SchwellenwertShared2025
Shared · 004Organisationsagnostisches DesignShared2025
Shared · 005Kritisches Löschen: BestätigungsdialogShared2026-04
Shared · 006Mobile: Bottom Drawer statt DropdownShared2026-04
Shared · 007Pflichtfeld-FehlerverhaltenShared2026-04
Shared · 008Filter: Live-ApplyShared2026-04
Shared · 009Empty States sind immer hilfreichShared2026-04
Shared · 010Loading States: Skeleton vs. SpinnerShared2026-04
Shared · 011Kein Modal in ModalShared2026-04
Shared · 012Status-Wording darf divergierenShared2026-04
Rocks · 001Kein Offline-ModusBasaltrocks2025-Q1
Rocks · 002Prio-1-Fehler: kein Silent FailBasaltrocks2025
Rocks · 003Navigation: Baumonitor separatBasaltrocks2026-04
Rocks · 004Tabellenverhalten: view-spezifischBasaltrocks2026-04
Rocks · 005Abrufe verknüpfen: GruppenlogikBasaltrocks2026-04
Portal · 001Pagination statt Infinite ScrollPortal2026-04

DEV-Brief als skalierbarer Handoff-Prozess

Ich habe einen standardisierten DEV-Brief-Prozess etabliert, der Designentscheidungen und Feature/Flowrequests so aufbereitet, dass Entwickler ohne viele Rückfragen nach dem Refinement, selbständig coden können. Dies habe ich durch das erstellen diverser Skills geschafft und mit dem Design Team geteilt. Die Rework-Zyklen haben sich merklich reduziert.

Jeder DEV-Brief enthält: Kontext und Nutzerrolle, alle relevanten States (Default, Loading, Error, Empty), Interaktionslogik mit Begründung, Randbedingungen und explizit benannte offene Fragen.

Screenshot des DEV-Brief Figma Handover Dokuments mit Kontext, States und Interaktionslogik

AI als strukturierter Prozess-Baustein

Claude ist in meinem Workflow kein Convenience-Tool — es ist ein fester Bestandteil meines Designprozesses mit klaren Einsatzbereichen.

Als Konzept-Partner strukturiere ich damit UX-Probleme, generiere Alternativen und evaluiere Optionen gegen Nutzerrollen und Constraints — bevor ich in Figma gehe. Als DEV-Brief-Generator füttere ich konkreten Design-Input ein und erhalte sofort strukturierten Handoff-Content. Als Dokumentations-System entsteht jeder ADR in einem strukturierten Gespräch, wird geprüft und dann als festes Dokument ins Projekt übernommen.

Figma MCP + Cursor

Prototypen direkt aus dem Designtool heraus bauen. Kein Kontext-Switch.

Claude als Denkpartner

Designprobleme strukturieren, Alternativen generieren, gegen Constraints prüfen — bevor Figma geöffnet wird.

NotebookLM Onboarding

Aus ADRs und Prozessdokumenten automatisch Lernmaterial für neue Teammitglieder generieren.

So entsteht ein ADR — konkret

ADR-008 dokumentiert eine Entscheidung die klein klingt und groß ist: Sollen Filter sofort angewendet werden, oder erst nach einem „Übernehmen“-Button?

1

Das Problem

Im Werksmonitor-Filter-Drawer wurde diskutiert: Live-Apply oder explizites Bestätigen? Dazu kommt eine Besonderheit: Verknüpfte Abrufe sind Gruppen die als Einheit gefiltert werden müssen — kein Standard-Behavior.

2

Die Entscheidung

Ich habe beide Optionen gegen die Nutzerrollen geprüft. Das Ergebnis → Live Apply gibt sofortiges Feedback ohne Reibung. Der Button heißt „Fertig“ — nicht „Übernehmen“ — weil er schließt, nicht anwendet. Klare Semantik.

3

Das ADR-Dokument

# ADR-008: Filter werden sofort angewendet

Status: Accepted · Datum: 2026-04 · Scope: Shared

## Entscheidung
Filter werden sofort angewendet sobald sie gesetzt werden.
„Fertig" schließt das Panel — bedeutet nicht „jetzt anwenden".

Ausnahme: Verknüpfte Abrufe bleiben als Gruppe sichtbar wenn
mindestens ein Mitglied den Filter matcht. Opacity ~0.45 für
nicht-matchende Mitglieder.

## Konsequenzen
+ Schnelles Filtern, sofortiges Feedback
+ Gruppen bleiben als Einheit erkennbar
- Gruppen-Filterlogik erhöht Implementierungsaufwand
- Debouncing nötig bei schnellen Filter-Änderungen

Was dieses System leistet

Ein guter Designprozess macht drei Dinge: Er erzeugt bessere Entscheidungen. Er macht Entscheidungen übertragbar. Und er reduziert den Aufwand für die nächste ähnliche Entscheidung.

Das ADR-System, der DEV-Brief-Prozess und die AI-Integration sind keine separaten Werkzeuge — sie sind Teile desselben Systems. Designwissen wird erzeugt, begründet, dokumentiert und übergeben. Nicht als Einmalleistung, sondern als wiederholbarer Prozess.

Drei Dinge die ich dabei gelernt habe

Dokumentation ist kein Overhead — sie ist das Produkt.

Ein Designsystem ohne Entscheidungsdokumentation ist ein System das die nächste Person von vorne aufbauen muss.

AI macht Prozesse besser wenn man weiß was man will.

Der Hebel entsteht nicht durch das Tool — er entsteht durch den strukturierten Einsatz. Wer AI ohne klaren Prozess nutzt, produziert schneller mittelmäßige Ergebnisse.

Ich baue Strukturen bevor jemand danach fragt.

Kein Ticket, kein Auftrag. Ich finde es schlicht befriedigender Strukturen zu schaffen die für alle funktionieren — als Probleme immer wieder einzeln zu lösen. Das ADR-System war so eine Entscheidung. Einmal richtig gemacht, für alle nutzbar.

Entwickelt mit AI ❤️ in Köln

Merle Rohrbeck · meruladesign.de